Märchenleser – Märchen, Geschichten, Fabeln

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Schneewittchen ist wegen seiner Schönheit dem Neid einer Königin ausgesetzt. Die Königin kann nicht ertragen, dass Schneewittchen schöner sein soll als sie selbst, und beschließt, das Mädchen aus dem Weg zu schaffen. Schneewittchen flieht in den Wald und findet schließlich ein kleines Haus, in dem sieben Zwerge leben. Dort scheint sie zunächst in Sicherheit zu sein. Doch die Königin gibt ihre Absicht nicht auf und versucht, Schneewittchen mit einer vergifteten Frucht zu täuschen. Das Märchen verbindet Motive von Schönheit, Eifersucht, Verfolgung und scheinbarem Tod. Zugleich erzählt es von einem Zufluchtsort, unerwarteter Hilfe und der Hoffnung auf ein glückliches Ende.

Schneewittchen – Das Märchen von den sieben Zwergen

Schneewittchen flieht vor der eifersüchtigen Königin und findet Schutz bei sieben Zwergen. Das klassische Märchen erzählt von Neid, Gefahr und Erlösung.

Der Spiegel der Königin

Hoch oben auf einem schwarzen Felsen stand das Schloss der Königin. Seine Türme ragten in den Himmel, und selbst an sonnigen Tagen wirkten die Mauern kalt. In einem der höchsten Räume hing ein alter Spiegel mit einem Rahmen aus dunklem Holz. Jeden Morgen trat die Königin vor ihn und stellte dieselbe Frage.

„Spiegel, Spiegel an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Lange Zeit hatte der Spiegel immer dieselbe Antwort gegeben: Die Königin sei die Schönste. Doch eines Morgens veränderte sich seine Stimme.

„Schneewittchen ist schöner als du.“

Die Königin erstarrte. Schneewittchen war ihre Stieftochter, ein Mädchen mit schwarzem Haar, heller Haut und einem ruhigen Wesen. Für die Königin war ihre Schönheit keine Freude, sondern eine Bedrohung. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, dass jemand jünger, freier und beliebter sein könnte als sie.

Von diesem Tag an wurde aus Eifersucht Besessenheit.

Die Königin ließ Schneewittchen heimlich in den Wald bringen. Der Mann, der den Auftrag erhalten hatte, brachte es jedoch nicht über sich, dem Mädchen etwas anzutun. Er warnte sie und ließ sie allein zurück.

Schneewittchen rannte.

Sie rannte, bis ihre Beine schmerzten und das Schloss längst nicht mehr zu sehen war. Als die Dunkelheit hereinbrach, wusste sie nicht, wohin sie gehen sollte. Zwischen den Bäumen entdeckte sie schließlich ein kleines Haus.

Das Haus im Wald

Im Haus war alles klein: sieben Stühle, sieben Teller, sieben Betten. Schneewittchen war erschöpft und legte sich schließlich in eines der Betten. Kurz darauf kamen die Bewohner nach Hause. Es waren sieben Zwerge, die tief im Wald nach Erz suchten.

Sie fanden das fremde Mädchen und wollten zuerst wissen, wer sie war. Schneewittchen erzählte ihnen von der Königin und von ihrer Flucht.

Die Zwerge sahen einander an.

„Du kannst bleiben“, sagte einer von ihnen. „Aber wenn du hier bist, musst du vorsichtig sein.“

Schneewittchen versprach es.

Für eine Weile schien sie tatsächlich sicher zu sein. Sie half im Haus, kochte, fegte den Boden und wartete abends auf die Rückkehr der Zwerge. Zum ersten Mal seit Langem konnte sie schlafen, ohne Angst haben zu müssen.

Doch im Schloss hatte die Königin längst erfahren, dass Schneewittchen noch lebte.

Wieder stand sie vor dem Spiegel.

„Spiegel, Spiegel an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Die Antwort ließ ihren Zorn zurückkehren.

„Schneewittchen, hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen.“

Die Königin beschloss, selbst zu handeln. Sie verkleidete sich als alte Frau und machte sich auf den Weg.

Sie wollte nicht kämpfen.

Sie wollte, dass Schneewittchen ihr freiwillig die Tür öffnete.

Der vergiftete Apfel

Am nächsten Tag klopfte eine fremde Händlerin an die Tür des Zwergenhauses. Schneewittchen erinnerte sich an die Warnung der Zwerge und öffnete zunächst nicht.

„Ich habe wunderschöne Äpfel“, rief die alte Frau. „Nur einen davon musst du probieren.“

Der Apfel war leuchtend rot. Seine Schale glänzte im Sonnenlicht.

Schneewittchen zögerte.

Die alte Frau schnitt den Apfel entzwei und biss in die eine Hälfte.

„Siehst du? Er ist völlig harmlos.“

Schneewittchen glaubte ihr.

Sie nahm einen Bissen von der anderen Hälfte.

Im selben Augenblick wurde ihr schwindelig. Die Welt begann sich zu drehen. Sie griff nach dem Türrahmen, doch ihre Finger fanden keinen Halt. Dann fiel sie zu Boden.

Die alte Frau lächelte.

„Nun gibt es niemanden mehr, der schöner ist als ich.“

Sie verschwand im Wald.

Als die Zwerge nach Hause kamen, fanden sie Schneewittchen reglos auf dem Boden. Sie konnten nicht glauben, dass sie tot war. Doch Schneewittchen atmete nicht und öffnete die Augen nicht.

Die Zwerge legten sie in einen gläsernen Sarg und stellten ihn an einen stillen Platz zwischen den Bäumen. Sie wollten sich nicht von ihr trennen.

Die Nachricht von dem Mädchen im gläsernen Sarg verbreitete sich schließlich bis zu einem jungen Prinzen, der durch den Wald reiste. Als er Schneewittchen sah, blieb er stehen.

Er kannte sie nicht. Trotzdem hatte er das Gefühl, dass ihre Geschichte noch nicht zu Ende war.

Das Ende des Fluchs

Als die Zwerge den gläsernen Sarg bewegen wollten, stolperte einer von ihnen. Der Sarg geriet ins Wanken. Durch die Erschütterung löste sich das Stück Apfel, das Schneewittchen im Hals gesteckt hatte.

Schneewittchen atmete plötzlich ein.

Ihre Augen öffneten sich.

Die Zwerge konnten es kaum fassen. Schneewittchen selbst wusste zunächst nicht, ob sie träumte.

Doch irgendwo weit entfernt stand die Königin wieder vor ihrem Spiegel.

„Spiegel, Spiegel an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Der Spiegel antwortete nicht sofort.

Dann sagte er:

„Schönheit vergeht. Neid zerstört. Aber wer anderen hilft, wird nicht vergessen.“

Die Königin wurde blass.

Zum ersten Mal erkannte sie, was aus ihr geworden war. Sie hatte so lange versucht, die Schönheit eines anderen Menschen zu zerstören, dass sie dabei ihre eigene Menschlichkeit verloren hatte.

Schneewittchen blieb bei den sieben Zwergen, bis sie selbst entscheiden konnte, wohin ihr Weg führen sollte. Sie wusste nun, dass ein sicherer Ort nicht immer ein Palast sein musste. Manchmal war es ein kleines Haus mitten im Wald, in dem Fremde bereit waren, ihre Tür zu öffnen.

Und wenn sie später an die Königin zurückdachte, erinnerte sie sich nicht an deren Schönheit.

Sie erinnerte sich an den Spiegel.

Denn Schneewittchen hatte verstanden, dass kein Spiegel der Welt einem sagen kann, wer man wirklich ist.

Das zeigt sich erst darin, was man tut, wenn niemand zusieht.

Seit jener Zeit erzählt man sich, dass tief im Wald sieben kleine Lichter brennen. Wer ihnen folgt, findet ein Haus, in dem Fremde willkommen sind. Doch wer mit Neid im Herzen kommt, soll vor einem Spiegel stehen, der keine Schönheit zeigt, sondern nur die Wahrheit.