Märchenleser – Märchen, Geschichten, Fabeln

Maerchenleser.de ist eine fortlaufende Online-Publikation für Kinder, Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene mit Märchen, Geschichten und Fabeln zum Lesen und Vorlesen.

Eine Königstochter verliert ihre goldene Kugel in einem tiefen Brunnen. Ein Frosch holt sie zurück und verlangt dafür, ihr Freund und Gefährte zu werden. Die Königstochter will ihr Versprechen zunächst nicht halten, doch ihr Vater besteht darauf. Am Ende stellt sich heraus, dass der Frosch ein verwunschener Königssohn ist. Gemeinsam mit ihm und seinem treuen Diener Heinrich reist sie in sein Reich.

Der Froschkönig – modern erzählt

Der Froschkönig der Brüder Grimm in moderner, leicht verständlicher Sprache. Eine Königstochter verliert ihre goldene Kugel in einem Brunnen und muss ein Versprechen gegenüber einem Frosch einlösen.

Der Froschkönig

In alten Zeiten, als Wünsche noch wahr wurden, lebte ein König, dessen Töchter alle schön waren. Die jüngste aber war so schön, dass selbst die Sonne staunte, wenn sie ihr ins Gesicht schien.

In der Nähe des Schlosses lag ein großer, dunkler Wald. Unter einer alten Linde stand ein tiefer Brunnen. An heißen Tagen ging die Königstochter dorthin und setzte sich an den kühlen Brunnenrand. Ihr liebstes Spiel war es, eine goldene Kugel hochzuwerfen und wieder aufzufangen.

Eines Tages fiel die Kugel jedoch nicht in ihre Hand, sondern rollte direkt in den Brunnen. Die Königstochter sah ihr nach, doch die Kugel war verschwunden. Der Brunnen war so tief, dass man den Grund nicht sehen konnte.

Sie begann zu weinen. Da hörte sie eine Stimme: „Was ist los, Königstochter? Du weinst ja so laut, dass selbst ein Stein Mitleid bekommen könnte.“

Sie sah sich um und entdeckte einen Frosch, der seinen Kopf aus dem Wasser streckte.

„Ach, du bist es“, sagte sie. „Ich weine wegen meiner goldenen Kugel. Sie ist in den Brunnen gefallen.“

„Hör auf zu weinen“, sagte der Frosch. „Ich kann dir helfen. Aber was bekomme ich dafür, wenn ich dir die Kugel zurückhole?“

„Was du willst“, sagte sie. „Meine Kleider, meine Perlen, meine Edelsteine oder sogar meine goldene Krone.“

„Das brauche ich alles nicht“, antwortete der Frosch. „Ich möchte dein Freund und Spielkamerad sein. Ich möchte bei dir am Tisch sitzen, von deinem Teller essen, aus deinem Becher trinken und in deinem Bett schlafen. Wenn du mir das versprichst, hole ich dir die Kugel.“

„Ja, natürlich“, sagte die Königstochter. „Ich verspreche dir alles, wenn du mir nur die Kugel zurückbringst.“

Insgeheim dachte sie: „Was für ein einfältiger Frosch. Er lebt im Wasser und quakt den ganzen Tag. Wie sollte er jemals mein Freund werden?“

Der Frosch tauchte ins Wasser und kam kurze Zeit später mit der goldenen Kugel im Maul zurück. Er legte sie ins Gras.

Die Königstochter war überglücklich, hob die Kugel auf und lief sofort nach Hause.

„Warte!“, rief der Frosch. „Nimm mich mit. Ich kann nicht so schnell laufen wie du.“

Doch sie hörte nicht auf ihn und hatte den Frosch bald vergessen. Er musste zurück in seinen Brunnen.

Der Frosch am Schloss

Am nächsten Tag saß die Königstochter mit ihrem Vater und den Hofleuten beim Essen. Da hörte sie plötzlich: „Plitsch, platsch, plitsch, platsch.“

Der Frosch kam die Marmortreppe herauf. Oben angekommen, klopfte er an die Tür.

„Königstochter, mach mir auf!“

Die Königstochter öffnete die Tür. Als sie den Frosch sah, erschrak sie und schlug die Tür sofort wieder zu.

Der König bemerkte ihre Angst. „Was ist los?“, fragte er. „Steht etwa ein Riese vor der Tür?“

„Nein“, sagte sie. „Es ist nur ein Frosch. Gestern fiel meine goldene Kugel in den Brunnen. Der Frosch hat sie zurückgeholt, und dafür habe ich ihm versprochen, dass er mein Freund sein darf. Ich dachte aber nicht, dass er mir wirklich folgen würde.“

Da klopfte es erneut.

„Königstochter, mach mir auf! Hast du vergessen, was du mir gestern am Brunnen versprochen hast?“

Der König sagte: „Du musst dein Versprechen halten. Geh und mach ihm auf.“

Die Königstochter öffnete die Tür. Der Frosch hüpfte herein und folgte ihr bis zu ihrem Stuhl.

„Heb mich hoch“, sagte er.

Sie wollte nicht, aber der König bestand darauf. Also hob sie den Frosch auf den Stuhl.

Dann wollte der Frosch auf den Tisch. „Schieb mir deinen Teller her“, sagte er, „damit wir zusammen essen können.“

Widerwillig tat sie es. Der Frosch aß mit großem Appetit, während der Königstochter jeder Bissen schwerfiel.

Nach dem Essen sagte der Frosch: „Ich bin satt und müde. Bring mich in dein Zimmer und mach dein Bett fertig. Ich möchte dort schlafen.“

Die Königstochter begann zu weinen. Sie wollte den kalten, nassen Frosch nicht in ihrem schönen Bett haben.

Der König wurde ärgerlich. „Wer dir geholfen hat, als du in Schwierigkeiten warst, den darfst du jetzt nicht einfach verachten.“

Also nahm sie den Frosch mit zwei Fingern, trug ihn nach oben und setzte ihn in eine Ecke.

Doch als sie im Bett lag, kam der Frosch wieder zu ihr.

„Ich bin müde und möchte schlafen. Heb mich zu dir ins Bett, sonst erzähle ich deinem Vater davon.“

Da wurde die Königstochter wütend. Sie hob den Frosch hoch und warf ihn mit aller Kraft gegen die Wand.

„Jetzt lässt du mich endlich in Ruhe, du hässlicher Frosch!“

Der verwunschene Prinz

Doch als der Frosch zu Boden fiel, war er plötzlich kein Frosch mehr. Vor ihr stand ein junger Königssohn mit freundlichen Augen.

Er erzählte ihr, dass eine böse Hexe ihn verzaubert hatte. Nur sie konnte den Fluch brechen.

„Morgen“, sagte er, „reisen wir gemeinsam in mein Reich.“

Am nächsten Morgen weckte die Sonne die beiden. Vor dem Schloss wartete bereits ein prächtiger Wagen mit acht weißen Pferden. Die Pferde trugen weiße Federn auf dem Kopf und waren mit goldenen Ketten geschmückt.

Am Wagen stand der treue Heinrich, der Diener des jungen Königs. Als sein Herr verzaubert worden war, hatte Heinrich vor Trauer drei eiserne Bänder um sein Herz legen lassen, damit es nicht vor Kummer zerbrach.

Nun war sein Herr erlöst. Heinrich half dem jungen König und der Königstochter in den Wagen und fuhr sie in Richtung seines Reiches.

Nach einer Weile hörte der Königssohn hinter sich ein lautes Krachen.

„Heinrich, der Wagen bricht!“

„Nein, mein Herr, der Wagen ist ganz. Es ist nur ein Band von meinem Herzen, das zerbricht. Es lag dort, als Ihr noch als Frosch im Brunnen saßt.“

Noch zweimal krachte es auf dem Weg. Der Königssohn dachte jedes Mal, der Wagen würde auseinanderbrechen.

Doch es waren nur die drei eisernen Bänder, die vom Herzen des treuen Heinrich abfielen.

Denn sein Herr war endlich erlöst und wieder glücklich.